Interview im SynMag

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In der Dezember-Ausgabe der deutschen SynMag (Synthesizer-Magazin) ist ein Interview mit mir erschienen. Oder vielmehr ein Teil des Interviews, das Autor Sven Erichsen mit mir geführt hat, denn der Text war viel zu lang für die eine Druckseite. Da das Interview als Ganzes durchaus interessant ist, kommt es hier in voller Länge.

Lustig: der Textblock unter dem Bild stammt aus einem Pressetext von Schaltkreis Wassermann aus dem Jahre 1983. Wir nahmen damals einfach einen überaus schwülstigen Pressetext der Temptations (oder waren es die Four Seasons?) und ersetzten einige Wörter, sodass es einigermassen Sinn machte. So ganz ohne diesen parodistischen Kontext ist mir dieser kleine Text nun eher peinlich, aber wahrscheinlich fällt das im post-faktischen Zeitalter wohl kaum jemanden auf…

 

Hier also das Interview in voller Länge
(und ganz unten als Bild der parodistisch schwülstige Pressetext)

Hi PJ, wenn man Eure Vita zu Eurem Projekt Schaltkreis Wassermann liest, fällt sofort auf, das Ihr anders als die Anderen arbeitet. Ihr inhaliert und verinnerlicht bis zur Perfektion die Klänge und Instrumente Eures kreativen Schaffens. Dass sich Musiker so essentiell mit Ihrer elektronischen Musik auseinandersetzen, hat man nicht so oft. Daher: wie kamt Ihr zu dieser Umsetzungs-, Arbeits- und Sichtweise Eurer elektronischen Soundausrichtung, woher kommt die Inspiration und Motivation?

Meine späten Teenager-Jahre waren zeitlich voll synchron mit dem Höhepunkt der Hippie-Bewegung, ich war Fan der Beatles, von Jimi Hendrix, Pink Floyd und Soft Machine. Und ich hatte meinen Anteil an „Shit & Trips“, wie man das damals nannte, also Cannabis und LSD. Das hat natürlich meine Sensibilität für klangliche Nuancen geformt. Als Gitarrist war ich fasziniert von Verzerrern, Flangern und dem Roland Space Echo RE 201. Als dann Anfang der 80er Jahre ein ARP 2600 seinen Weg zu uns fand, stand der in unserem Schlafzimmer, und ich habe endlose Stunden mit den Klängen herumgespielt. Stella liebte es, sich mit Filter-Cutoff, Resonanz und Hüllkurven meiner Patches zu verlustieren. Gleichzeitig habe ich alles an Literatur über analoge Synthesizer und Studiotechnik verschlungen, was ich finden konnte. Unser Zugang zur elektronischen Klangwelt war also geprägt von einer grossen Lust am Klang, verstärkt durch regelmässige psychedelische Sessions. Albert Hofmann, der Entdecker des LSD, hat uns auch mehrmals im Studio besucht.

Habt Ihr eine musikalische Ausbildung genossen und wann seid Ihr mit Eurem Projekt wo und wie gestartet?

Nach meinen Hippie-Jahren habe ich eine Lehrerausbildung mit Fachstudium Musik gemacht. Also Einzel-Unterricht in Piano, klassische Gitarre und Gesang plus Harmonielehre und natürlich Methodik und Didaktik für Musik. Das war einerseits eine wertvolle Basis, andererseits habe ich mich nach Abschluss sehr bemühen müssen, wieder zu meinem eigenen Stil zurückzufinden. Ich habe immer in Bands gespielt, war aber mit keiner Formation wirklich zufrieden. Als ich Stella 1977 kennenlernte, war uns beiden sofort klar, dass wir zusammen Musik machen wollten, das war ein wesentlicher Teil unserer Liebesbeziehung. 1980 haben wir unser erstes Studio eröffnet, in einer Abbruchbude, deren Keller permanent einen Meter unter Wasser stand.

Haben sich über die Jahre Eure individuelle Musikausrichtung und elektronischen Sounds weiter entwickelt, obwohl Ihr ja totale Retrofans seid?

Ja natürlich, Stillstand wäre das Ende. Ich war immer sehr interessiert an der neuesten Musik-Technologie, 1983 haben wir einen Fairlight CMI geleast, ein finanzieller Kraftakt über fünf Jahre. Von der Klangqualität des Fairlight war ich sehr enttäuscht (8-Bit!), aber er hat uns auch die Hits mit Matterhorn Project beschert, wo wir Kühe singen liessen. Dieser Erfolg war zwar einerseits angenehm, hat uns aber von unseren Schaltkreis-Fans entfremdet. Zudem konnten wir uns lange das etwa 5000.— CHF teure MIDI-Interface für den Fairlight nicht leisten, was uns von den analogen Synthese abschnitt, wenn wir mit dem Fairlight arbeiteten. Technik und Finanzen waren ein ständiger Kampf. Als dann der Atari mit Logic und Cubase kam, war das eine Erlösung. Später bin ich auf den Mac umgestiegen mit HD-Recording. Auch das war eine verdammt teure Sache, das 4-Spur-Interface von ProTools kostete 10’000.— CHF und war doch sehr eingeschränkt. Jedenfalls hatten wir da lange ein schönes Setup mit Steuercomputer und Hardware-Synths. Noch später kamen die Soft-Synths, die ich liebte, weil damit endlich das Speichern der Klänge problemlos in den Songs möglich war. Erst durch die Vinyl-Wiederveröffentlichung unseres Kult-Albums PSYCHOTRON durch das Berliner Label Private Records im 2012 bin ich wieder auf meine alten Analog-Kisten aus den 80er Jahren zurückgekommen. Heute kombiniere die beiden Welten gerne.

Musikalisch war das so: als die elektronische Musik bei uns so richtig ankam, war „Mensch-Maschine“ von Kraftwerk  unser Lieblings-Album. Der weitere Favorit war Steve Hillage, dessen Gitarren-Synthie-Sounds mir bis heute sehr gut gefallen. Sein Album „Green“ höre ich mir immer noch gerne an.

Erklär den Lesern doch bitte einmal das Konzept Eurer Alben – z.b. Psychotron – wieviel Arbeitszeit wird jeweils für die großartigen Arbeiten investiert und wie läuft der Entstehungsprozess,  incl. Studioarbeit bei Euch ab?

In unserer Studio-Frühphase haben wir uns finanziert mit Film-Soundtracks. Basel ist ja ein Zentrum der pharmazeutischen Industrie, und unsere abgefahrenen Sounds waren beliebt für Filme über molekulare Verbindungen und ähnliches. Unsere freie Zeit haben wir genutzt für Experimente und das Erarbeiten von Stücken. Da wir musikalisch breit gefächert waren – wir hörten auch gerne Rock und Pop, auch Klassik – waren die Stücke sehr unterschiedlich. Gerne hätte ich ein rundes Konzept-Album gemacht, doch mit der Zeit hatten wir nur ein Sammelsurium von recht unterschiedlichen Stücken. Irgendwann wurde mir klar, dass wir neben der vielen Auftragsarbeiten zuwenig Zeit hatten um unser Konzept-Album zu verwirklichen. Also haben wir genommen, was wir hatten, und das war PSYCHOTRON. Rückblickend muss ich sagen, dass das Album durchaus konsistent ist, schon nur wegen des durchgehenden Instrumentariums und unserer Stimmen, aber das haben wir damals nicht erkannt.

Wie ist Eure Meinung zum Bereich – Electromusic im Radio – von z. b. Tangerine Dream, Jarre, Vangelis und vielen Anderen, die durchaus radiokompatible Tracks produziert haben – wie könnte man diesen Bereich beeinflussen, um überhaupt einmal mehr von solcher Musik im Radio zu hören?

Radio ist ein sterbendes Medium. Die meisten Leute benutzen es nur noch so nebenbei beim Autofahren oder beim Bügeln. Da ist es durchaus konsequent, dass die Programmmacher auf das ewig gleich Bekannte setzen, da ja sowieso keiner mehr zuhört.

Viel wichtiger ist für mich heute die Frage, wie man als Musiker auf die Playlists von Spotify und AppleMusic kommt. Leider haben sich die Major Players das bereits wieder voll unter den Nagel gerissen, das ist alles von A bis Z korrupt, und ich sehe wenig Chancen, als Independent da irgendwie reinzukommen. Eigentlich mache ich heute nur noch Musik für mich selber und für das Publikum bei meinen Live-Konzerten. Grossen Erfolg im Musikgeschäft habe ich mir schon lange abgeschminkt. Bei Private Records habe ich allerdings zum allerersten Mal ein Label gefunden, mit dem es sich menschlich, kreativ und finanziell gut zusammen arbeiten lässt. Deshalb werde ich in Zukunft kaum mehr selber releasen, ich habe ja weder Zeit noch Neigung für Marketing und Promotion.

Die von einigen Leuten als „Kavaliersdelikt“ betitelte CD-Piraterie – ist das in Ordnung, wenn man Eigentum von Superstars wie von den oben genannten von irgendwelchen Seiten herunterladen kann und was sollte eine CD im Gegenzug aktuell kosten, um den Verkauf wieder anzukurbeln oder ist die CD gar ein Auslaufmodell?

Ich ärgere mich sehr über die Gratis-Mentalität der meisten Menschen beim Thema Musik. Dass die Musik-Industrie ein ethisches Lumpenpack ist, ist noch längst keine Rechtfertigung für den Diebstahl an hart arbeitenden Musikern. Die Menschen (und die Medien!) machen ein riesiges Durcheinander aus Industrie, Superstars, Musikern und Technologie. Übrig in den Köpfen bleibt nur die technisch einfache Möglichkeit des Diebstahls, die dann auch eifrig genutzt und von Idioten wie den „Piraten“ auch noch legitimiert wird.

Ist in Zukunft – für mich als alten Plattensammler übrigens eine grauenvolle Vorstellung – tatsächlich das Streaming der digitale Megatrend, wo Millionen von Songs überall und sogar legal jederzeit bequem und billig wie nie zuvor, verfügbar sind?

Das Streaming geht wohl nicht mehr weg. Selber nutze ich gerne AppleMusic, ich finde es einfach schön, fast alle Musik der Welt sofort anhören zu können. Andererseits halte ich gerne ein Album in der Hand, schaue mir die Bilder an und lese die Liner Notes. Aber das wird wohl nur eine Minderheit sein, die noch Geld ausgibt für physische Tonträger. Der grosse Minuspunkt beim Streaming ist für mich die Audioqualität. AppleMusic scheint die Musik für Kopfhörer zu optimieren, über Lautsprecher klingt das ziemlich grässlich.

Bei Bandcamp habe ich mehrere meiner Alben, aber es läuft nicht viel, weil ich halt nicht genügend promote. Da muss eben ein Label her.

 

Wie steht Ihr zum Thema Musikvideos – bringt es Vorteile  in diesen audiovisuellen Zeiten Clips für You Tube oder andere Kanäle zu erstellen?

YouTube ist ganz übel. Google, die Besitzerin von YouTube, nützt ganz bewusst die veralteten DMCA-Copyright-Gesetze aus, um die Musiker massiv auszubeuten. Eine Million Views bringen etwa 50 EUR. Ich habe 3.5 Millionen Spielminuten bei YouTube und dafür ein Guthaben von etwa 35 EUR. Daüber habe ich einen Blog geschrieben: http://pjwassermann.com/youtube-doesnt-work-for-musicians/

Abgesehen davon sind Videos als Medium sicher sehr interessant. Wir haben bereits in den 80ern zusammen mit einem Freund eine Software für den Commodore PET entwickelt, mit der wir zur Musik synchrone Pixel-Abläufe darstellen konnten. Leider war damals niemand in der Lage, das auf Video aufzuzeichen. Auch heute habe ich bei den meisten meiner Auftritte meine VJ Asteriza dabei, die trippige Bild-Sequenzen zu meiner Musik zaubert. Da werden sicher interessante Videos daraus entstehen, aber über die finanzielle Seite bei einem solchen Unterfangen darf man sich keine Illusionen machen.

Vom Promo-Standpunkt her sind Videos wohl unverzichtbar. Gerne würde ich mal einen Produzenten beauftragen, einen richtig tollen Videoclip zu machen, aber das ist halt teuer. Zurzeit mache ich vor allem Teaser-Videos von meinen Auftritten. Live-Auftritte sind das Einzige, was einem nicht gestohlen werden kann!

Ich hatte vor kurzem ein uralten Auftritt von Tomita gesehen und war begeistert und zugleich erstaunt mit welchem Aufwand der Künstler dereinst aufgetreten ist, wie seht Ihr die Entwicklung zur heutigen Zeit, wo so mancher EM Musiker lediglich mit einem Rechner auf der Bühne steht ??

Letzthin habe ich Tangerine Dream live gesehen, bzw. die Band, die Edgar Froese kurz vor seinem Tod noch zusammengestellt hat. Es war ein wunderbares Ambiente in einem alten römischen Amphitheater (Augusta Raurica). Persönlich war ich jedoch etwas enttäuscht, da neben der Sängerin und der Violinistin zwei Keyboarder dastanden, bei denen man mit bestem Willen nicht sagen konnte, was jetzt konkret von ihnen zu hören war. Es war recht viel Hardware auf der Bühne, auch das angesagte modulare Zeug, aber es war nicht ersichtlich, ob das nur Deko war. Einer nahm hin und wieder eine Gitarre in die Hand, aber auch davon war nichts zu hören. Es entstand der  Eindruck, dass da ein Soundfile von der Festplatte läuft, und die Musiker machen Playback-Show. Vielleicht stimmt das ja gar nicht, aber als Zuschauer konnte man das nicht beurteilen.

Bei meinen Auftritten kommen die Playbacks auch aus dem Rechner. Aber ich stehe da mit der Gitarre bzw. dem Gitarren-Synth SY-300 und spiele meine Parts live. Dazu singe oder vocode ich, und dann habe ich bei den Schaltkreis-Gigs auch noch ein analoges MOPHO-Modul dabei, an dem ich schraube, und einen Kaossillator. Da ist dann meistens ganz klar ersichtlich, woher der jeweilige Lead-Sound kommt. Ich finde das sehr wichtig fürs Publikum.

Welche Technik / Synthesizer hattet Ihr am Anfang Eures Schaffens eingesetzt – erster Synthie – und welche Instrumente sind heute Eure Favoriten und prägen Euer Soundgerüst ??

  • ARP 2600
  • ARP Avatar
  • Roland 100M
  • Sequential Circuits Prophet V
    Das waren unsere Synthies zur Zeit von PSYCHOTRON. Gesteuert haben wir sie mit einem Roland MC-4 MicroComposer, pro Note drei Zahleneingaben, eine für die Tonhöhe, eine für die Länge der Note und eine für den Abstand zur nächsten Note. Kompliziert aber durchaus brauchbar.

Heute arbeite ich mit LogicPro, für mich ist das ein wahr gewordener Traum. Je nach Projekt vorwiegend in der Box oder bei Schaltkreis vorwiegend mit den alten analogen Kisten. Ausser dem Prophet arbeiten alle noch (oder wieder) tipptopp, und den alten Prophet habe ich mit dem neuen Prophet 6 ersetzt. Dieser klingt hervorragend, aber nervt mich in der Praxis, weil den Sounds nur Nummern und keine Namen zugeordnet werden können. Ich halte das für eine sehr ungeschickte Design-Entscheidung von Dave Smith.

Bei den Soft-Synths mag ich ES-1 und ES-2 von Logic immer noch sehr, Zebra von u-he ist einer meiner Lieblinge, auch Alchemy mag ich gut. Dann habe ich noch eine ganze Anzahl von weiteren, die ich auch immer wieder mal gerne einsetze: SynthMaster, LuSH-101, Oddity2 von GForce, Predator, Punch, Gladiator von Tone2, Sylenth1, Sculpture etc. Es gibt inzwischen so viele fantastische Instrumente, man könnte ständig nur kaufen, aber das macht keinen Sinn – man muss sich ja auch damit auseinandersetzen.

Der Synth Dino – Jean Michel Jarre –  hat vor ca. 9 Jahren seine erste Veröffentlichung „Oxygene“ mit  den Original Instrumenten aus 1976 live auf einer Tour performt. Wäre das mal ein Anreiz für Euch – ältere Tracks nochmal live oder generell neu performed zu präsentieren ?

Das mache ich bereits mit meinem neuen Schaltkreis-Repertoire. Die Original-Instrumente bleiben aber besser im Studio, ich kann mir keine Roadies, Techniker und grossen Trucks leisten. Zudem hätten wir auch dann das oben erwähnte Problem, dass die Synthese zentral gesteuert werden müssen, und für das Publikum ist es wieder dasselbe wie ein fertiger Soundfile ab CD oder aus dem Rechner. Wenn schon, dann müsste eine richtige elektronische Band her, wo jeder Musiker sein Instrument live spielt, mit einer gemeinsamen Clock. Das würde mir sehr gefallen, da wäre ich mit dabei.

Zum Thema Recording und Musikmaschinen im Wandel der Zeit, auf den Fotos von Euch ist eine 8 Spur Bandmaschine ( Otari ? ) und ein großes Analogpult einzusehen sowie der legendäre Auratone Monitore und ein Roland Space Echo 201 – was könnt Ihr uns dazu interessantes sagen ??

Die Otari MX 5050 8-Spur war für uns die totale Erlösung, nachdem wir uns lange mit einer TEAC 4-Spur herumgeschlagen hatten. Heute, mit uneingeschränktem HD-Recording kann man sich kaum mehr vorstellen, wie einschränkend das war, nur mit vier Audio-Spuren arbeiten zu müssen. Aber auch die Otari neigte zu Verzerrungen, zum Beispiel bei Sounds mit viel Filter-Resonanz. Solche Probleme fielen erst weg, als wir auf eine Studer 24-Spur umsteigen konnten.

Das Pult war ein Soundcraft, ein zuverlässiges Arbeitstier mit solidem Grundsound. Den Klang der Analog-Pulte vermisse ich heute beim Mischen, irgendwie kommt alles viel besser und einfacher zusammen auf einem analogen Pult. Mischen im Computer ist natürlich viel effizienter, und ich liebe das präzise Zeichnen von Lautstärke-Verläufen auf dem Bildschirm, aber erst mit dem Slate Virtual Console Plugin habe ich wieder ein Stück weit zu der klanglichen Leichtigkeit des analogen Mischen zurückgefunden.

Das legendäre Space-Echo RE 201 war das erste Teil, das Stella und ich gemeinsam kauften, und es hat einen fantastischen Klang. Vor allem liebe ich daran die Möglichkeit, durch Drehen des Repeat-Rate-Knopfes das Delay in der Tonhöhe zu verschieben. Die digitale Emulation im BOSS-Pedal taugt meines Erachtens überhaupt nichts.

Die Auratones standen damals in jedem Studio. Sie hatten wenig Bass und ermöglichten dadurch die Beurteilung der Mischung, wie sie auf einer durchschnittlichen Consumer-Abhöre klingen würde. Zudem gaben sie die Klangverteilung im Stereofeld recht präzis wieder.

Wird im Studio bei Euch viel herum experimentiert und getestet, worauf legt Ihr besonderen Wert, wenn Ihr  z. b. neue Synthies oder Controller prüft?

Für mich zählen primär der Sound und die Bedienbarkeit. Zurzeit experimentiere ich weniger, weil ich ganz klare Ziele verfolge, vor allem die ständige Weiterentwicklung meiner Live-Projekte, sowie neue Releases.

Sind Nebenprojekte für einen Künstler notwendig, da sich hier musikalisch etwas anders ausgelebt werden kann – oder braucht man eventuell überhaupt keine Nebenprojekte, wenn sich solch Prozesse vielleicht sogar integrieren lassen?

Ich habe drei Haupt-Projekte:

Schaltkreis Wassermann als Kombination von Retro und neuester Technologie, live mit dem SY-300 Gitarren-Synth.

Eternal Bliss live guitar psyTrance, da spiele ich sehr gerne auf den Goa/psyTrance-Parties – ein fantastisches Publikum.

ChillyTrippyDippy, live multimedia psychedelic Chillout, immer mit Visuals, öfters auch mit einem zusätzlichen Drummer und Tänzerinnen.

Da bleibt mir keine Zeit mehr für weitere Nebenprojekte. Aber, um auf deine Frage zurückzukommen, ich denke, dass heutzutage das Publikum meist von einem Projekt erwartet, dass es einigermassen in der vorgegebenen Stilrichtung verbleibt. Nur selten ist ein Künstler in der glücklichen Situation, dass sein Publikum beliebige stilistische Bocksprünge mitmacht.

Einige Musiker der Szene arbeiten auch in diesen Zeiten mit analogen Synthies anstatt mit digitalen Computern und Software. Seid Ihr auch  der Meinung, dass analoge Sounds wärmer klingen und somit durchaus eine wichtige, emotionale Komponente in der elektronischen Musik darstellen, teils werden neue technologische Entwicklungen ( Software Synths )  für den Verlust von Kreativität verantwortlich gemacht ??  

Musik war schon immer abhängig von der jeweils erhältlichen Technologie, die den Bau von Instrumenten ermöglichte. Heute kann jeder für wenig Geld ein voll ausgerüstetes Tonstudio im Rechner haben. Nicht die Soft-Synths sind das Problem beim musikalischen Einheitsbrei, der uns heute überflutet, sondern die Presets und die vorgefertigten Sound-Libraries, die die Produktion allzu einfach und damit beliebig machen. Und ja, die analogen klingen immer noch ein Stück besser, aber die digitalen holen rasant auf.

 Und zum Schluss ein kleiner Ausblick  : Was möchtet Ihr in der nahen oder späteren Zukunft mit Eurem Projekt noch umsetzen und erreichen, wie sieht es z. b. mit Filmmusik zu einem imaginären Film aus, dem Traum von so einigen Elektronic Musikern ??

Der Soundtrack zu einem imaginären Film ist schon lange zu einem Cliche geworden. Ich würde gerne einen echten Film machen, abstrakt und voll abgefahren mit synthetischen Bildern, die sich synchron zur Musik entwickeln. Diese Idee trage ich schon seit 40 Jahren mit mir herum. Jetzt ist die Technologie so weit, dass man das im Home-Studio machen kann, ich muss nur noch die Zeit dafür finden…

 

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